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Anbau

Von meiner Kinderstube und der Karriere vom Hinterwäldler zu einem der Branchenführer habe ich Ihnen schon einiges erzählt. Welche Lebensweise und Lebensgewohnheiten mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin, möchte ich Ihnen jetzt verraten.

Von je her habe ich gerne in Hochstammbäumen auf Streuobstwiesen gelebt. Das würde ich bestimmt auch heute noch bevorzugen, aber so weit oben bin ich für meine Fans nur sehr mühevoll zu erreichen. Bei meinem Weg nach unten oder Ihrem Weg zu mir sind Risiken und Nebenwirkungen keinesfalls ausgeschlossen und mein Schicksal ist dann oft die Saftpresse.


Der Umzug ...

... in kleine Reihenbäumverhalf mir zu einer ganz neuen Popularität. Auf geringem Raum finden meine Verwandten und ich die idealen Bedingungen. Hier habe ich genug Licht und Luft und natürlich auch Zuwendung, um alle meine Vorzüge voll zu entwickeln.

Im Verlauf der Jahrhunderte habe ich mir einige Marotten zugelegt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Um aus meinem obligatorischen Winterschlaf wieder zu erwachen, brauche ich mehrere Wochen, in denen es richtig kalt ist. Aus diesem Grund kann ich in Ländern, in denen es nicht lange und nicht richtig kalt wird, eigentlich nicht leben. Mit dem Frühling treibt der Baum aus und beginnt zu blühen - mit der Blüte beginnt meine Zeit. Dank freundlicher Unterstützung von Hummel und Biene werden Pollen von Blüte zu Blüte transportiert. Von Inzucht halte ich dabei allerdings gar nix und mit dem Nachbarn klappt das nur, wenn wir nicht zu eng miteinander verwandt sind. In den ersten Wochen meines Lebens gibt es eine große Unruhe in meinem Baum, und ich muss meine Stellung mühsam verteidigen. Viele Konkurrenten kämpfen in dieser Zeit um die begrenzten Plätze an der Sonne.


Wahrscheinlich haben Sie ...

... noch nie darüber nachgedacht, was ich im Laufe meines Lebens für Prüfungen bestehen muß. Wenn Sie aber im Juni/Juli mal genau unter einem Apfelbaum nachschauen, werden Sie erstaunt sein, wie viele Opfer der Kampf gefordert hat. Sie mögen denken, das ist grausam und verschwenderisch, aber diese Strategie führt letztlich dazu, dass nur die besten uns zum Ruhm und Ihnen zum Genuss gereichen.

Wenn diese schweren Zeiten überstanden sind, kann ich in Ruhe den Sommer genießen. Ich werde von meinem Baum aufs Beste mit allem versorgt, was ich brauche, um eine "Superfrucht" zu werden, denn zum Früchtchen möchte ich auf keinen Fall verkommen. Wenn der Tag meiner Perfektion gekommen ist und ich mein volles Aroma entfaltet habe, kann ich eigentlich nur hoffen, daß Sie rechtzeitig da sind, um mich vor einem Absturz zu bewahren.

Mein Leben dauert natürlich nicht ewig, und da ich zugegebenermaßen auch nicht frei von Eitelkeiten bin, ist es für mich auch nicht erstrebenswert, solange irgendwo rumzulungern, bis meine Haut schrumpelig und mein Fleisch mürbe ist. Um diesem Schicksal zu entgehen, bin ich auf Ihre Hilfe angewiesen. Sie können mich zum Beispiel kurz nach der Ernte verzehren und mich dann in einer angenehmen Erinnerung behalten.


Wenn Sie allerdings ...

... auch viele Wochen nach der Ernte noch Freude an mir haben möchten, ist es notwendig, mir einen Platz zu geben, an dem der Zahn der Zeit schlecht an mir nagen kann und meine pralle Jugend erhalten bleibt. Hierbei müssen Sie beachten, dass mir Wärme gar nicht mehr bekommt, nachdem ich meinen Baum verlassen habe. Ich bevorzuge also einen kühlen Ort und im Gegensatz zu Ihnen wirkt eine sauerstoffarme Atmosphäre auf mich wie ein wahrer Jungbrunnen. Wegen des reduzierten Sauerstoffgehalts werden solche idealen Refugien als Lager mit kontrollierter Atmosphäre (CA-Lager) oder ultra-wenig-Sauerstoff (ULO-Lager) bezeichnet. Dank dieser technischen Errungenschaften ist es Ihnen möglich, auch viele Monate nach meiner Ernte noch kraftvoll zuzubeißen.

 

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